10 Dinge, die ich vor meiner ersten Safari in Afrika gern gewusst hätte
In Afrika ist es doch überall warm. Eine Mütze oder ein Schal sind das letzte, das ich auf einer Safari brauche. Das dachte ich - relativ naiv - vor meiner ersten Reise. Und damit lag ich sehr falsch. Wer mich schon länger verfolgt, weiß, was für eine Frostbeule ich bin. Es nimmt vielleicht nicht jeder für eine Safari Winterjacke, Handschuhe und winddichte Mütze mit. Aber eins der Dinge, die ich gern vor meiner ersten Reise gewusst hätte, ist die Tatsache, dass es eben nicht immer und überall in Afrika warm ist.
Vor meiner ersten Reise und Safari in Afrika wollte ich endlich diese wilde Welt sehen, die ich bis dahin nur aus dem König der Löwen oder Dokumentationen kannte. Eine richtige Vorstellung davon, wie es im Busch ist und was es eigentlich heißt, auf Safari zu sein, hatte ich nicht.
Inzwischen habe ich unzählige Safaris gemacht, viel über Natur und Tiere gelernt und meine Packliste optimiert. Und ich dachte, dass ich in diesem Blog mal meine wichtigsten Erkenntnisse mit euch teile.
1) Der Wecker klingelt früh
Ich liebe es, am Wochenende auszuschlafen. Schon montags freue ich mich darauf, mir am Samstag keinen Wecker stellen zu müssen. Ich bin wirklich kein Morgenmensch.
Anders sieht es aus, wenn ich in Afrika bin. Da klingelt der Wecker meist gegen fünf oder sechs Uhr. Denn im Busch sollte man früh unterwegs sein, um gute Tiersichtungen zu haben.
Das Bett zu verlassen, vor allem an einem kalten Morgen, kann hart sein. Meist ist es noch dunkel und manchmal frage ich mich in solchen Momenten, warum ich das überhaupt mache. Trotzdem wache ich meistens mit einem Grinsen im Gesicht auf. Es gibt dann auch nur ein schnelles Frühstück - einen Kaffee und ein paar Kekse - und dann geht es auch schon los.

Sobald ich im Auto sitze und die Sonne über der Savanne aufgeht, ist die Müdigkeit verflogen und die Kälte (fast) vergessen. Wenn der Morgenwind mir durchs Gesicht bläst, bin ich hellwach und meine Sinne sind scharf gestellt. Die frühen Morgenstunden gehören zu den schönsten Zeiten auf einer Safari. Viele Tiere sind dann besonders aktiv und das Licht ist traumhaft. Man hat also besonders gute Chancen, Raubtiere und viel Action zu sehen.
Was auch toll ist, wenn man so früh aufsteht: Das Frühstück mitten im Busch. Tief in der Wildnis, umgeben von Tieren, schmeckt der zweite Kaffee des Tages noch besser. Zurück im Camp ist man etwa am späten Vormittag und hat dann auch Zeit, um sich auszuruhen - bevor es wieder losgeht.
2) Es kann sehr kalt werden
Viele verbinden eine Safari in Afrika mit großer Hitze - wie auch ich vor meiner ersten Reise. Dieses Klischee hält sich sehr hartnäckig. Dass man auf einer Safari oft Decke und Mütze braucht, hätte ich vor meiner ersten Reise nie gedacht.
Afrika hat Hochgebirge, Wüsten, Regenwälder und gemäßigte Zonen. Es kommt also immer darauf an, wo genau man ist. Und auch, in welchem Monat man unterwegs ist. In der Regenzeit zum Beispiel regnet es, aber dann ist auch in vielen Regionen Sommer. Das heißt, dass es heiß und feucht ist. In der Trockenzeit im afrikanischen Winter (unser Sommer) dagegen kann es nachts und am frühen Morgen sehr frisch werden. Temperaturen können sogar bis auf den Gefrierpunkt fallen. Wenn man in einem geschlossenen Auto sitzt, ist das in Ordnung. Wenn man aber in einem offenen Auto auf Safari ist, was im südlichen Afrika zum Großteil der Fall ist, dann wird es schnell ungemütlich.
Für einen Game Drive am Morgen im Winter ist es also ratsam, mindestens einen Pulli, im besten Fall aber auch eine Jacke und Mütze mitzunehmen - je nachdem, wie kälteempfindlich man ist.
Genauso schnell, wie es kalt wird, kann es auch heiß werden, sobald die Sonne herauskommt. Ich sitze manchmal morgens mit Mütze und Winterjacke im Auto und liege mittags im Bikini am Pool. Für eine Safari sollte man also sowohl ein paar warme Sachen als auch Badekleidung einpacken.

3) Die Natur folgt keinem Drehbuch
Auf Safari weiß man nie, was als nächstes passiert. Ein Game Drive ist völlig anders als der andere. Mal sieht man vielleicht ein riesiges Löwenrudel und auch noch einen Leoparden, mal nur Antilopen und die endlose Weite. Es ist jedes Mal eine Überraschung.
Genau das macht es so spannend. Jedes Mal, wenn ich in einen 4x4 steige, bin ich aufgeregt, weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Ich habe noch nie einen Game Drive erlebt, auf dem mir langweilig war, weil es immer etwas Neues zu entdecken gibt - sowohl was Tiere als auch Landschaften angeht.
Manchmal muss man wirklich geduldig sein. Es kann auch passieren, dass man die Tiere, die man unbedingt sehen will, nicht sieht, weil man einfach nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Ich war zum Beispiel mal im Lower-Zambesi-Nationalpark in Sambia - ein Ort, an dem es viele Wildhunde gibt. Das war für mich auch ein Grund, dorthin zu reisen. Vier Tage lang habe ich keinen einzigen Wildhund gesehen. Stattdessen konnten wir sehr lange eine riesige Elefantenherde am Sambesi beobachten, weil niemand außer uns dort war.
Gleichzeitig passieren manchmal Dinge, die man nicht erwartet. Einen solchen Moment hatte ich am Nakurusee in Kenia, wo ich eigentlich Nashörner sehen wollte (was auch geklappt hat). Dass unser Guide kurze Zeit später dann auch noch einen Leoparden im Baum liegen sah, konnte ich nicht glauben. Hoch oben auf einem Ast, inmitten eines wunderschönen Waldes, lag dieses mächtige Tier - eine der besten Sichtungen von Leoparden, die ich jemals hatte.
Zuhause organisiere und plane ich meinen Alltag sehr gern. Vielleicht mag ich Safaris auch deshalb so sehr, denn dort ist nichts planbar. Die Natur macht ihr eigenes Ding - und wenn man Glück hat, darf man dabei sein. Jede Safari verläuft anders und genau darin liegt ihr Zauber.
4) Es gibt so viel mehr als die Big Five
Wenn man zum ersten Mal auf Safari ist, will man sie natürlich sehen: Die Big Five – Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Büffel. Diese Definition stammt übrigens noch aus der Zeit der Großwildjagd. Diese fünf Tiere waren die am schwierigsten zu jagenden Tiere. Auch der Begriff „Game Drive“, also die eigentliche Safari, hängt damit zusammen. Das „Game“ bezeichnet Wildtiere, vor allem die Tiere, die gejagt wurden.
Bei meiner ersten Reise habe ich die Big Five nicht gesehen. Aber das fand ich überhaupt nicht schlimm. Klar, es ist cool, wenn man diese Tiere von der Liste „abhaken“ kann und sie sind alle sehr spektakulär. Aber wenn man im Busch unterwegs ist, vor allem zum ersten Mal, ist eigentlich alles toll, was man sieht. Man freut sich über jede Antilope und jedes noch so kleine Tier.

Die Natur hat so viel mehr zu bieten als die Big Five. Und manchmal finde ich, dass es gar nicht unbedingt das Tier selbst ist, sondern eine bestimmte Szene oder Situation, die man erlebt. Ich freue mich mittlerweile mehr über eine Tiersichtung, bei der ich ganz allein bin, als über ein Rudel Löwen, das aber von zehn Autos umringt ist.
Auf meiner ersten Reise zum Beispiel habe ich keinen Leoparden gesehen, aber einen Geparden. Damals war mir nicht klar, wie besonders das war. Bis heute sind Geparden eines meiner Lieblingstiere. Und ich persönlich finde sie noch toller als Leoparden.
Wenn man die Big Five einmal gesehen hat, wird man auch aufmerksamer für andere Dinge. Und natürlich sind alle Tiere gleich schön, das muss an dieser Stelle auch gesagt werden. Die Big Five sind faszinierend – aber sie erzählen längst nicht die ganze Geschichte.
5) Auf Safari wird es ganz schön ruckelig
Eine Safari ist kein Urlaub am Strand und kann körperlich anstrengend werden - vor allem, wenn man lange Strecken zurücklegt oder sehr viele Game Drives macht. Die meiste Zeit verbringt man nämlich im Auto. Und das auf oft holprigen Straßen, die aus Schotter bestehen oder sogar aus Sand. Spätestens wenn der Allradantrieb angeschaltet wird, kann es ruckelig werden.
„African Massage“ nennen das viele Guides. Eine Massage ist das nicht wirklich, aber man wird auf jeden Fall gut durchgeschüttelt. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, mich während der Fahrt festzuhalten und immer darauf vorbereitet zu sein, dass wir plötzlich durch ein Schlagloch fahren. Oder dass ich nur etwas trinke, wenn wir mal irgendwo anhalten.
Solange man eine normale Fitness und nicht unbedingt Rückenprobleme hat, ist das alles nicht schlimm und oft sogar sehr lustig. Als Frau sollte man am besten Sport-BHs einpacken - das macht eine Safari deutlich angenehmer.

6) Staub ist ein häufiger Begleiter
Wenn man nicht gerade in der Regenzeit unterwegs ist, kann eine Safari staubig werden. Die Böden sind trocken und mit dem Auto wirbelt man den Staub auf. Der setzt sich auch mal schnell auf Kleidung und Technik ab. Irgendwie gehört aber auch das dazu.
Und auch hier gibt es Unterschiede - ob man im offenen oder geschlossenen Auto sitzt, zu welcher Zeit man unterwegs ist und in welcher Region. Als besonders staubig habe ich Fahrten durch die Serengeti in Tansania im September und den Amboseli in Kenia im Juli in Erinnerung. Diese Regionen sind vergleichsweise staubiger. Im Amboseli besteht der Boden vielerorts aus vulkanischer Asche und Staub. Anders sieht es zum Beispiel im Okavango Delta in Botswana aus. Dort ist es nicht so staubig, weil viele Wege durch feuchte oder überschwemmte Gebiete verlaufen.
Um sich ein wenig vor dem Staub zu schützen, hilft es immer, sich zum Beispiel gute Lippenpflege oder auch befeuchtende Augentropfen mitzubringen. Kamera und andere Technik kann man gut mit einem Tuch abdecken. Für meine Kamera habe ich inzwischen immer ein Blasebalg dabei, weil sich beim Wechseln der Objektive schnell Staubkörner auf dem Sensor absetzen.
Beim Fotografieren kann Staub übrigens auch sehr cool sein - Tiere, die durch Staubwolken laufen - vielleicht noch angestrahlt von der Sonne - sehen atemberaubend aus. Und der rote oder ockerfarbene Staub vieler Nationalparks gehört am Ende fast schon zu den schönsten Erinnerungen.
7) Tiere kommen sehr nah
Ja, für die meisten Bilder benötigt man eine Kamera mit Objektiv, um Tiere wirklich gut zu erkennen. Aber es gibt Momente, in denen Tiere plötzlich viel näher kommen, als man vielleicht erwartet.
Ich selbst denke, dass man immer eine gewisse Distanz bewahren solle. Zum eigenen Schutz und zum Schutz der Tiere. Und doch ist es manchmal nicht zu verhindern, dass diese Abstände nicht eingehalten werden. Entweder, weil ein Tier ganz plötzlich auftaucht - oder weil sich Tiere von sich aus nähern.
Ich bin einmal in der Nacht in Sambia durch den Busch gefahren, als plötzlich eine Elefantenfamilie aus dem Wald auf den Weg lief, auf dem wir fuhren. Die Tiere waren gar nicht begeistert von unserer Anwesenheit. Weil es keine Möglichkeit gab, auszuweichen, sind wir einige Hundert Meter zurückgefahren. Wir haben den Elefanten Raum und Zeit gegeben, vorbeizuziehen.

Es kann auch passieren, dass Tiere aktiv die Nähe zu Autos suchen. Auch das war etwas, das mich anfangs noch etwas verängstigt hat. Dass Löwen sich zum Beispiel auch mal direkt neben das Auto legen. Nicht aber, weil sie gern in der Nähe von Menschen sind oder uns fressen wollen. Sondern weil sie ganz einfach den Schatten des Autos für eine kurze Pause nutzen.
In vielen Nationalparks sind Tiere an die Nähe zu Autos gewöhnt. Auf der einen Seite ist es gut, dass ein Miteinander möglich ist. Andererseits habe ich oft das Gefühl, dass Guides und Tourist*innen Grenzen immer weiter überschreiten und Tieren immer näher kommen.
Auch wenn es toll ist, Tiere möglichst nah zu sehen: Es sind immer noch wilde Tiere, die ihre Komfortzone haben. Und die gilt es zu respektieren.
8) Manchmal verbringt man mehr Zeit mit Suchen als mit Beobachten
Auf einer Safari sollte man nie bestimmte Erwartungen haben. Es kommt immer anders, als man denkt. Und man braucht Geduld. Meistens ist es nicht so, dass man losfährt und sofort viele Tiere sieht. Manchmal fährt man sogar Stunden, ohne etwas Spannendes zu entdecken. Und dann kann es passieren, dass man plötzlich Elefanten, Giraffen und Löwen auf einmal sieht.
Die Spurensuche ist aber das, was einen Game Drive aufregend macht. Man hält Ausschau nach Spuren im Sand oder frischem Kot, der darauf hindeutet, dass hier vor kurzem ein Tier war. Man horcht, ob man Alarmrufe von Vögeln hört. Die Spannung steigt mit jeder Minute und jede Sichtung fühlt sich dadurch wie ein kleines Geschenk an.
Bis heute passiert es mir, dass ich Steine oder Äste für Tiere halte. Wenn dann aber tatsächlich ein Tier aus dem Busch auftaucht, ist es umso aufregender.
Besonders herausfordernd wird es, wenn man ein ganz bestimmtes Tier sehen möchte und den ganzen Game Drive danach ausrichtet. Ich bin zum Beispiel einmal zwei Stunden gefahren, ohne irgendwo anzuhalten, um Wildhunde zu sehen. An solchen Tagen geht es dann nur um diese eine Sichtung, aber auch das kann sich lohnen.

9) Der Busch schärft die Sinne
Ich fühle mich selten so wach und konzentriert wie im Busch auf Safari. Wahrscheinlich ist es zum einen das Draußensein - an der frischen Luft und mit Wind im Haar. Das Handy holt man nur raus, wenn man ein Bild machen will. Es gibt keine Ablenkung - nur die Wildnis.
Zum anderen muss man aufmerksam sein, wenn man Tiere finden will. Und auf einer Safari gibt es auch nur dieses Ziel, auf das man total fokussiert ist. Im Gegensatz zu einem Abend auf dem Sofa zuhause, wo ich manchmal gleichzeitig esse, eine Serie gucke und eine Nachricht auf dem Handy tippe, sind bei einer Safari alle meine Sinne nur damit beschäftigt, was um mich herum passiert.
Was man im Busch erlebt, ist super intensiv. Die Gerüche, die Geräusche, die verschiedenen Landschaften und Tiere. Wenn man sich ganz darauf einlässt, ist es absolut magisch. Und wenn ich von einer Reise zurückkehre, fühle ich mich auch jedes Mal „frischer“ im Kopf.
10) Eine Safari verändert den Blick auf die Natur
Je länger man im Busch unterwegs ist und Tiere nicht nur einzeln, sondern auch in ihrem Lebensraum beobachtet, desto mehr versteht man, wie eng alles miteinander verbunden ist. Nichts existiert wirklich für sich allein. Jedes Tier, jede Pflanze, jedes noch so kleine Lebewesen hat seinen Platz und seine Funktion im großen Ganzen. Durch meine Safaris habe ich den Circle of Life beobachtet und konnte ihn ganz anders verstehen.
Man sieht zum Beispiel einen Elefanten nicht mehr einfach nur als beeindruckendes Tier, sondern versteht, welche Rolle er für ein ganzes Ökosystem spielt. Man beobachtet Geier, die für dieses System genauso wichtig sind wie die großen Raubtiere, oder sieht, wie Pflanzen und Tiere voneinander abhängig sind. Und irgendwann verändert sich dadurch auch der eigene Blick: Man schaut genauer hin, entdeckt Zusammenhänge und entwickelt eine ganz andere Wertschätzung für die Natur.
Für mich bedeutet eine Safari in Afrika nicht mehr nur, Tiere zu sehen. Sie haben mir die Natur ein Stück nähergebracht und mir gezeigt, wie faszinierend dieses Zusammenspiel ist. Und vielleicht ist genau das eines der schönsten Dinge, die man von einer Safari mit nach Hause nehmen kann: ein neues Bewusstsein dafür, dass wir selbst Teil dieses großen Kreislaufs sind.
Auf Safari in Afrika zu sein, kann herausfordernd werden: Man steht früh auf, es kann sehr kalt werden und auf den langen Fahrten wird man ordentlich durchgerüttelt. Auch muss man manchmal länger auf Tiere warten, als man vielleicht denkt.
Gleichzeitig erlebt man spektakuläre Dinge - von atemberaubenden Landschaften über sehr nahe Tierbeobachtungen bis zu Begegnungen mit beeindruckenden Menschen, die einem diese Welt näherbringen. Man ist mit allen Sinnen dabei. Und hakt nicht nur eine Liste mit Tieren ab, sondern findet im besten Fall eine neue Verbindung zur Natur. Erlebnisse, die ich im Busch hatte, haben sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt und etwas in mir verändert.
Vielleicht ist die wichtigste Vorbereitung für eine Safari, nicht mit einer festen Erwartung anzureisen, sondern mit Neugier und Offenheit. Die Wildnis hält sich selten an unsere Pläne – und überrascht uns meistens mit etwas, das viel schöner ist.
