Sambia: Abseits bekannter Reiseziele
Je öfter ich reise, desto mehr suche ich nach noch unberührteren, wilderen Orten. Orte, an denen man ein Gefühl von Abgeschiedenheit erlebt und nicht vielen anderen Tourist*innen begegnet. Genau solche Orte gibt es in Sambia. Ein Land, über das ich lange Zeit kaum etwas wusste, das mich aber total umgehauen hat.
Warum Sambia anders ist
Südafrika, Namibia, Kenia, Tansania. Das sind wahrscheinlich die Länder, die einem am schnellsten einfallen, wenn man an eine Safari in Afrika denkt. Auf Sambia kommt man meist erst, wenn man die anderen Länder schon bereist hat. Auch deswegen sind viele Regionen Sambias touristisch betrachtet noch relativ unbekannt.
In diese Regionen kommt man auch nicht mal eben - man muss weite Strecken auf sich nehmen. Aber wer das tut, erlebt etwas Besonderes. In Sambia habe ich mich Natur und Tieren noch näher gefühlt. An vielen Orten, die ich vorher bereist habe, hatte ich oft den Eindruck, dass die Natur nicht mehr so viel Platz hat. In Sambia fühlte es sich anders an.
Die wildesten Regionen Sambias
Südluangwa-Nationalpark
Im Flugzeug von der Hauptstadt Lusaka nach Mfuwe saßen zusammen mit mir etwa 20 Personen. Der Ort im Osten Sambias hat nur wenige Tausend Einwohner*innen, aber einen eigenen Flughafen. Dieser beschränkt sich auf eine Lande- und Startbahn und ein kleines Gebäude. Vom Flughafen geht eine geteerte Straße ab, die aber nach einiger Zeit in eine Schotterpiste übergeht. Ab diesem Zeitpunkt dauerte es nicht lange, bis ich die ersten Tiere gesehen habe.
Mfuwe liegt direkt am Südluangwa-Nationalpark, der gemeinsam mit dem Nordluangwa-Nationalpark das Luangwatal bildet. Die Lebensader in der Region bildet der gleichnamige Luangwa-Fluss mit seinen Nebenflüssen. Der Nordluangwa-Nationalpark ist im Vergleich zum südlichen Park noch abgelegener und nur schwer erreichbar. Außerdem ist der Norden weitläufiger, was Tiersichten herausfordernder macht.
Allein der Südluangwa-Nationalpark ist fast 10.000 Quadratkilometer groß und weist eine außergewöhnlich hohe Tierdichte auf. Die Tiere wandern auch immer wieder aus dem Park in Richtung Mfuwe. Das birgt für die Einwohner*innen natürlich Risiken. Gleichzeitig setzen sich die Menschen auf beeindruckende Weise für den Schutz von Natur und Tieren ein.
Der Südluangwa-Nationalpark ist unfassbar wild. Schon in meiner Unterkunft war ich umgeben von Tieren. Jeden Tag habe ich Affen, Impalas und verschiedene kleine Tiere wie Echsen, Eichhörnchen, Frösche oder Vögel gesehen. In einer Nacht sind Elefanten an den Hütten vorbeigezogen, an einem anderen Tag streiften Giraffen über die Ebene vor dem Camp.

Auf jedem Game Drive haben wir unzählige Tiere gesehen. Wovon man im Südluangwa-Nationalpark besonders viele Exemplare sieht, sind Flusspferde und Leoparden. Im Luangwa-Fluss leben Zehntausende Flusspferde, denn die Lebensbedingungen sind perfekt für die Dickhäuter. Der Fluss ist breit und fließt langsam, es gibt zahlreiche Sandbänke und Überschwemmungsebenen, wo die Tiere viel Gras finden. Am Luangwa-Fluss zu stehen und im Sonnenuntergang den Flusspferden zuzuhören, war ein unbeschreibliches Gefühl.

Perfekte Bedingungen bietet die Region auch für Leoparden. In den weiten Wäldern und Büschen finden die Tiere Schutz und gute Bedingungen, um zu jagen. Der Südluangwa-Nationalpark hat eine der höchsten Leopardendichten Afrikas. Man hat also sehr gute Chancen, sie zu sehen. Ich hatte das Glück und habe eine Mutter mit ihren zwei Jungen gesehen. Ein unfassbar intensives Erlebnis.
Neben Leoparden und Flusspferden gibt es im Südluangwa-Tal zahlreiche Elefanten, Büffel, Löwen und auch Wildhunde. Wildhunde leben nur noch in wenigen Regionen in Afrika und das Südluangwa-Tal ist einer der besten Orte, um sie zu sehen.
Während der Regenzeit werden übrigens große Teile des Gebiets vollständig überschwemmt, sodass viele Camps für einige Monate geschlossen bleiben. Im Verlauf der Trockenzeit bilden sich an vielen vorher überschwemmten Gebieten Lagunen. Dort finden die Tiere dann auch in den trockenen Monaten noch reichlich Wasser. Und diese Lagunenlandschaften geben der ganzen Region eine sehr besondere Magie.
Lower-Zambezi-Nationalpark
Der Lower-Zambezi-Nationalpark war für mich wie ein Wechsel der Perspektive: Im Süden Sambias fließt der Sambesi – der viertgrößte Fluss Afrikas. Er bildet zudem die natürliche Grenze zum Nachbarland Simbabwe.
Wie der Sambesi Natur und Landschaften prägt, erlebt man im Lower-Zambezi-Nationalpark sehr deutlich. Schon der Anflug über den Fluss hat mich sprachlos gemacht. Selten habe ich landschaftlich etwas so Schönes gesehen. Der Fluss fließt mehr als 120 Kilometer durch den Park und ist die Lebensader für eine ganze Region.

Der Lower-Zambezi-Nationalpark liegt am Unterlauf des Sambesis. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Mana Pools Nationalpark in Simbabwe bildet er ein riesiges Naturschutzgebiet. Wenn man auf dem Sambesi ist, befindet man sich genau zwischen den beiden Ländern.
Als ich im Mai dort war, führte der Sambesi viel Wasser und die Strömung war sehr stark. Diese Wassermassen, von denen all das Leben vor Ort abhängig ist, haben mich wirklich ehrfürchtig gemacht.
Im Lower-Zambezi-Nationalpark verbringt man viel Zeit auf dem Wasser. Ich war damals in einem Camp, von dem wir per Boot zum Nationalpark gefahren sind. Über den Sambesi zu fahren war überwältigend: Links und rechts vom Fluss sieht man wunderschöne Uferlandschaften und Wälder. Elefantenherden kommen zum Trinken an den Fluss. Und im Wasser tauchen Flusspferde auf und ab.
Als ich vom Wasser aufs Land gegangen bin, habe ich mich gefühlt wie in einem Märchen. Im Lower-Zambezi-Nationalpark fährt man durch wunderschöne, fast magische Wälder, in denen die Strahlen der Sonne ein ganz besonderes Licht erzeugen.
Überall flatterten weiße Schmetterlinge. Affen turnten durch die Bäume, darunter grasten verschiedene Antilopenarten. Und überall sind Elefanten. Auch Löwen, Leoparden und Wildhunde gibt es dort.
Neben den Wäldern findet man im Lower-Zambezi-Nationalpark Savannenlandschaften und immer wieder kleine Seen, an die die Tiere zum Trinken kommen.

Der Lower-Zambezi-Nationalpark hat sich noch wilder angefühlt als das Südluangwa-Tal, was aber auch daran lag, dass ich dort noch weniger andere Tourist*innen gesehen habe. Und die Kombination aus dem mächtigen Sambesi, umgeben von unglaublicher Wildnis, war unbeschreiblich schön.
Kafue-Nationalpark
Der Kafue-Nationalpark ist mit über 22.000 km² der größte Nationalpark Sambias und einer der größten auf dem ganzen Kontinent. Er liegt westlich der Hauptstadt Lusaka. Innerhalb dieses riesigen Gebietes findet man verschiedene Vegetationen – von eher trockenen Landschaften im Süden, über Flusslandschaften und Wälder im Zentrum bis zu den Graslandschaften der Busanga-Plains im Norden.
Namensgebend für den Park ist auch hier ein Fluss – der Kafue. Neben dem Kafue fließen der Lufupa, der Lunga und zahlreiche Nebenflüsse durch den Park.
Besonders spektakulär im Kafue Nationalpark sind die Busanga-Ebenen im Norden. Die Savannenlandschaft wird während der Regenzeit für mehrere Monate überflutet. In der Trockenzeit sieht man dort unzählige Tiere – vor allem auch viele Löwen. Und: Dort leben die sehr besonderen Letschwe-Antilopen.

Der Kafue gilt als eins der reichsten Antilopengebiete Afrikas. Neben der Letwsche-Antilope leben dort unter anderem Impalas, Pukus, Rappenantilopen, Kuhantilopen, Pferdeantilopen, Moorantilopen, Busch-und Wasserböcke.
Im Vergleich zum Luangwa-Tal und dem Lower-Zambezi-Nationalpark trifft man im Kafue-Nationalpark noch weniger andere Menschen. Das liegt natürlich zum einen daran, dass es ein riesiges Gebiet ist. Ein weiterer Grund ist, dass die Zahl der Tiere durch schwere Wilderei und Rodungen in der Vergangenheit stark zurückgegangen war. Inzwischen wurden viele Schutzmaßnahmen ergriffen und die Populationen erholen sich. Der Kafue ist aber im Vergleich zu anderen Gebieten deutlich weniger touristisch.
Die Viktoriafälle
Ganz in der Nähe der Stadt Livingstone befinden sich die Viktoriafälle, die breitesten Wasserfälle der Welt. Die kann ich in diesem Blog über Sambia natürlich nicht unerwähnt lassen, auch wenn die Fälle ein touristischer Hotspot sind. Und wenn man im Land unterwegs ist, sollte man sich die Fälle auf jeden Fall anschauen.
Einmal vor den Viktoriafällen zu stehen und zu sehen, wie Tausende Liter Wasser des Sambesis in die Tiefe stürzen, ist unfassbar. Je nach Jahreszeit strömt unterschiedlich viel Wasser herunter. Besonders spektakulär sind die Fälle zum Höhepunkt der Regenzeit. Dann sollte man aber eine Regenjacke einpacken, weil die Fälle eine starke Gischt erzeugen. Die ursprüngliche Bezeichnung der Fälle in der Sprache der Kololo lautet übrigens Mosi-oa-Tunya – der Rauch, der donnert.

Genau dieser Sprühnebel sorgt dafür, dass die umliegende Natur immer grün und fruchtbar bleibt. Auch während der Trockenzeit läuft man in der Nähe der Fälle durch einen kleinen Regenwald. Viele Tiere finden hier so ganzjährig Wasser und Nahrung.
Nicht nur die Fälle, sondern auch ihre Umgebung ist wunderschön. Auch hier kann man auf dem Boot über den Sambesi fahren und im Sonnenuntergang Elefanten beim Schwimmen sehen. Oder man macht im Mosi-oa-Tunya-Nationalpark einen Game Drive, um Nashörner zu sehen.
Beste Reisezeit für Sambia
Generell finde ich es immer schwierig, zu sagen, welche die beste Zeit für irgendeine Reise ist. Jeder Monat ist unterschiedlich und hat Vor-und Nachteile. In der Trockenzeit (zwischen ca. April-Oktober) sind Tiersichtungen bei Game Drives besser, weil sich viele Tiere an verbliebenen Wasserstellen sammeln.
In der Regenzeit regnet es zwar stark, aber es ist wunderschön grün, Jungtiere werden geboren und die Vogelwelt ist unfassbar beeindruckend. Ich war im Mai dort, relativ kurz nach der Regenzeit. Und auch wenn der Busch teilweise noch sehr dicht war, habe ich unglaublich viele Tiere gesehen. Das einzige, was man beachten muss, ist, dass tatsächlich einige Regionen in der Regenzeit aufgrund von Überschwemmungen nicht erreichbar sind.
Vor meiner Reise nach Sambia war ich schon in einigen afrikanischen Ländern und auf vielen Safaris. Die Zeit in Sambia war anders. Diese Wildnis, die Abgeschiedenheit, die Unberührtheit. Das gibt es nur noch an wenigen Orten der Welt.
Nach meiner Reise habe ich lange gebraucht, um wieder so richtig im Alltag anzukommen. Und seitdem hat mich Sambia auch nicht losgelassen. Ich werde auf jeden Fall irgendwann wieder hinreisen.
